Mittwoch, 17. Juni 2009

Rhino Charge 2009… Ab in den Busch

Vor einiger Zeit hat mich Jeldon angerufen und gefragt ob ich Lust hätte an Pfingsten wegzufahren. Sie hat irgendetwas von Rhino Charge erzählt und Camping, aber so genau verstanden was es ist habe ich eigentlich nicht, plus die Verbindung war schlecht. Ich habe einfach ja gesagt…


Am 30. Mai ging es dann los… Um 7 Uhr morgens sollten wir bim Treffpunkt sein, damit wir um 8 Uhr hätten losfahren können. Am Abend zuvor, ich zu Jeldon: „ Wann treffen wir uns, wir müssen noch etwas zu essen einkaufen“? Jeldon: „Ich denke so 7 Uhr 30“. Ich: „ Sollten wir nicht um 7 Uhr beim Treffpunkt sein”? Jeldon: “ Wir sind in Afrika… keiner wird um 7 Uhr da sein”.Losgefahren sind wir dann tatsächlich erst nach 9 Uhr. Es war eine Gruppe von ca. 38 Leuten alle so zwischen 26 und 30ig. Angefangen zu Trinken haben sie bevor wir losgefahren sind und aufgehört nachdem wir wieder zurück in Nairobi waren. Alle haben ihre eigenen Getränke mitgebracht (muss ich sagen, dass die Sodas nur zum mixen gut waren ;-)...) und wurden alle in die praktisch tragbaren Trinkflachen abgefüllt, wo keiner sieht was eigentlich drin ist. Unser Bus war ein umgebauter Scania Truck… es hatte viel Platz und war gemütlich.Die Stimmung war von Anfang an ausgelassen, laut und lustig (Alkohol hat einen wesentlichen Teil dazu beigetragen). Ich glaube ich habe mich schon zu Beginn gefragt, wann die Stimmung wohl umschlägt (ich muss vielleicht noch sagen, dass ich wahrscheinlich fast die Einzige im Bus war die nüchtern war)… Es stellte sich heraus, dass die Fahrt ungefähr 8 Stunden dauern würde. So gegen Mittag machten wir eine längere Pause… Danach veränderte sich die Stimmung langsam von ausgelassen zu leichter Aggression. 2 Girls hatten in ihrem Suff das Gefühl sie müssten ein wenig „Ich bin lesbisch“ spielen, forderten aber alle auf keine Fotos zu machen. Ein Typ der für ein Magazin arbeitet, schien das wenig zu interessieren und knipste drauf los. Da fing eigentlich das Drama an… Eine heisse Diskussion begann zwischen den Dreien und irgendwie hatten alle anderen auch noch das Gefühl etwas Schlaues sagen zu müssen. Aus total Besoffenen kommt leider meistens nicht mehr viel Schlaues raus. Während sie stritten, stand der Foto Typ aus versehen auf den Knöchel eines Mädchens, welches halb im Koma am Boden lag. Sie wurde für ihre Verhältnisse ziemlich blass und konnte ihren Fuss nicht mehr belasten… alle schauten mich an und fragten ob ich nicht was tun könnte… halllooo… was soll ich den tun? Leider habe ich immer noch keinen Röntgenblick. So habe ich ihr Schmerzmittel gegeben, welche ich hoffte, sich gut mit dem immensen Alkoholpegel vertragen… ca. 2 Stunden später war sie zum Glück wider auf den Beinen, auf jeden Fall so gut wie ihr Gleichgewichtssinn noch zuliess. Während dessen entwickelte sich das Foto- Drama weiter und eines der Girls war nur noch am weinen… ich hatte den Faden total verloren und beobachtete das ganze Geschehen leicht amüsiert und leicht schockiert zugleich. Dies dauerte so ca. 2 Stunden! Um aus dem Bus zu steigen musste man zwei grosse Stufen runter gehen… plötzlich hörten wir einen Schrei und ein Mädchen (Monica) viel Kopf voran diese Stufen runter… wir sahen nur zwei Füsse in der Luft. Zum Glück stand sie wieder auf und schien ziemlich ganz geblieben zu sein. Gosh, die hätte sich das Genick brechen können… Als sie aber wieder stand, sahen wir das sie ziemlich stark am Kopf blutete… alle Blicke auf mich gerichtete… you are the Nurse. Ihr Ohr war in Zwei geteilt... netter Anblick. Verbandmaterial gab es im Bus auch nicht… das Einzige was wir hatten waren feuchte Händereinigunstücher. Toll... aber wenigstens waren sie sauber und eine andere Wahl hatten wir auch nicht, also versuchet ich mal die Blutung etwas zu stoppen. Irgendwann während dessen stellte sich heraus, dass eigentlich ein Arzt im Bus wäre, aber ich glaub in seinem Suff hatte er dies vergessen. Im Camp hatte es auch einen Arzt, also ging der besoffenen Arzt mit Monica zum Camp Arzt… ich wollte mit, aber auf dem Weg zu meinem Sitzplatz um meine Tasche zu holen, geriet ich irgendwie in einen Streit zwischen zwei Typen, die eigentlich Freunde sind. Ich wurde ziemlich heftig weggeschubst, bin aber zum Glück auf dem Sitz gelandet. Dem Typen hatte er voll die Faust ins Gesicht geknallt. Da sind aber diese blöden Instinkte und ich bin aufgestanden und zwischen die beiden gestanden damit sie aufhören. Was sie zum Glück auch machten. Jeldon schaute mich nur mit grossen Augen an und sagte: „what the hell are you doing, your in Africa they don’t care if they hit you instead of the guy.

Ziemlich viel Drama in 8 Stunden…

Im Camp angekommen haben wir uns ein Zelt ausgesucht, wo wir zum Glück auf Matratzen schlafen konnten (waren zwar dünn, aber besser als nichts). An diesem Abend passierte nicht mehr viel, ein paar nette Gespräche (einige waren schon nicht mehr so betrunken… es war also möglich ein paar normale Sätze auszutauschen) am Feuer und gutes Essen und das war’s.Die meisten wollten früh ins Bett, damit sie am nächsten Tag früh an den Ort des Geschehens gehen konnten. Ich habe dann auch herausgefunden was Rhino Charge eigentlich ist. Hier eine kurze Erklärung.. (tut mir leid, war zu faul zum Übersetzten..)
The Rhino Charge is an off-road event in which competitors are required to visit 13 points scattered over approximately 100 square kms of rough terrain within a 10 hour period. Competitors are supplied with a 1:50,000 scale map of the venue, co-ordinates of the 13 Control Points and their Start position (at one of the Controls). Each competitor must plot the Control Points on the map and decide his/her route. Navigation is by compass/GPS and the winner is the competitor who visits the most controls in the shortest distance (GPS measured).

The event is organised to raise funds for the Rhino Ark Charitable Trust. The vision of Rhino Charge is to mobilize the public to raise funds for Rhino Ark, the Kenyan conservation charity. For 20 years, Rhino Ark’s sole focus has been specifically to raise funds for an electrified fence to encircle nearly 400kms of the Aberdare ecosystem. The fence is a vital management tool in the ecosystem’s long-term integrity.

Die Nacht war ganz ok… kleine Streitereien zwischen Hüftknochen und Stein (Stein hat gewonnen) haben die Nacht etwas unruhig gemacht. Wir waren alle vorbereitet auf eher kühles Wetter, aber es war so verdammt heiss… das Zelt war nach 7 Uhr morgens eine Sauna und verhalf den Organisatoren, dass alle früh aufgestanden sind. Die angefressenen Fans dieses Rennens waren schon auf dem Weg dazu… Die Frauen nahmen es alle eher gemütlich und bis alle eine Dusche genommen haben, dauerte es ein kleines Weilchen (2 Duschen für ca. 50 Personen) Wir waren im Busch… nix fliessend Wasser.

Als war dann endlich alle bereit waren, war nur noch eine 30 min. seeeeeeehr holprige Fahrt zu überstehen und dann waren wir also auch dort. Das Rennen an sich fand ich weniger interessant. Autos gegen Felsbrocken… Die Gruppe war aber gut drauf und ich fand es toll wieder ein paar neue Leute kennen zu lernen.
Den Weg zurück haben wir auf der Ladefläche eines pick-up Truck verbracht. Den Fahrern schien ziemlich egal zu sein, dass sie 15 Leute „geladen“ hatten und fuhren wie die Wilden. Wie schon gesagt es war ziemlich holprig. Einmal wurden ich fast aus dem Auto geschleudert… was ich davon hatte, war eine riesiges Hämatom an meinem Gesäss und kleinere Hämatome an Ellbogen und Rücken… war echt schmerzhaft.

Am Abend war noch Buschdisco angesagt… Rhino Charge ist ein riesiger Event, es waren massenhaft Leute da. Ein Radiosender von Nairobi war der Organisator der Party. An diesem Abend genehmigte ich mir zum Ersten Mal ein paar Drinks (ich nahm noch Medikamente wegen meiner nicht wegzukriegenden Blaseninfektion und habe mich deshalb sehr zurückgehalten).Ich habe eine Dänin kennen gelernt die in Nairobi lebt und Thaiboxerin (sehr offensichtlich) ist. Sie meinte ich solle mal ins Training kommen, als ich ihr erzählte, dass ich ins Kickboxtraining ging. Irgendwann werde ich das mal machen, aber so wie sie aussieht gehe ich davon aus, dass das Niveau ziemlich hoch ist. Ein bisschen Sport würde aber definitiv nicht schaden.Es wurde immer noch viel getrunken, gelacht und getanzt.Zurück im Camp haben wir noch bis zum Sonnenaufgang geredet und geredet. So gegen 6 Uhr morgens ging ins Bett und nach einer Stunde habe ich es im Zelt nicht mehr ausgehalten,
viel zu heiss… besonders mit einem leichten Hangover. Es war also eine sehr kurze Nacht.
Nach dem Frühstück, ging’s zurück nach Nairobi. Die Fahrt diesmal ohne Drama, aber unglaublich dass die immer noch Alkohol trinken konnten. Die meisten nutzten solche Gelegenheiten um weg vom seriösen Leben zu kommen und mal so richtig die Sau raus zu lassen. Der eine sagte es sei für ihn emotionale „Detox“ für ihn, obwohl nach dem Wochenende wohl eher seine Leber eine Detox braucht

Zurück in Starehe… nur noch schlafen, aber es hat (trotz kleinen Dramen) echt Spass gemacht!