Alle sagen immer wenn du in Nairobi lebst, siehst du definitiv nicht „the real Africa“. Daher hören wir häufig „ich will euch zeigen wo ich aufgewachsen bin“. Natürlich waren Eva und ich sehr daran interessiert etwas anderes zu sehen als Nairobi.
Letzten Mittwoch machte ich mich gerade fertig um zur Arbeit zu gehen, als Brother James an meine Tür klopfte. Ich denke er ist aufgewacht und dachte sich, so jetzt werden Worte mal in Taten umgesetzt. Er fragte mich ob wir nach Nakuru wollen um seine Mutter zu besuchen.
Natürlich waren wir dabei…
Also machten wir uns um 8.30 Uhr auf den Weg nach Nakuru, welches eine ca. 21/2stündige Fahrt war.
In Nakuru angekommen haben wir noch Lebensmittel für seine Mutter eingekauft.
Nach einer erneuten 30minütigen, sehr holprigen Fahrt (war eher Wanderweg als Strasse) kamen wir in Ngorika an. Ich fühlte mich wie in einem kleinen Bergdörfchen… es war so schön wieder einmal unstaubige, frische Luft einzuatmen. Keine Menschenmassen und keine Autos. Das mit den Menschenmassen hat sich dann irgendwann noch geändert… mehr dazu später.
Wir wurden von einer sehr vitalen alten Dame empfangen, welche barfuss beinahe dahergehüpft kam. Nach einem zahnlosen, aber sehr süssen Lächeln und einer Umarmung wurden wir zum Haus geführt wo zwei seiner Schwestern waren. Alle waren wir ein bisschen schüchtern…
Kommunizieren war nicht wirklich möglich… Die Mutter sprach nur Kikuyu. Da halfen auch meine paar Swahilisätzchen die ich kenne nicht viel. Die Schwestern konnten ein wenig Englisch, welches aber auch nicht für eine Konversation reichte.
James hat uns herumgeführt. Es ist beeindruckend wie sie leben... kein Strom und kein fliessen Wasser. Alles ist wahnsinnig einfach und trotzdem irgendwie komplex (seht selbst auf den Bildern). Sie haben einen riesigen Umschwung, wo Mais, Bohnen, Kartoffeln, etc. angepflanzt wurden. Sie haben Schafe und zwei Kühe. Die Mutter von James kann dies nicht mehr alles alleine pflegen, aber sie sei gut im Delegieren und Managen.
James hat ein separates Haus gebaut für die Küche, damit sie dem Rauch etwas ausweichen können, da über dem Feuer gekocht wird… nix mit Kochherd. Normalerweise wird häufig alles im selben Raum gemacht (deshalb haben auch so viele Leute Probleme mit den Atemwegen).
Als die Führung rum war, haben sie uns Tee gebracht. Der Tee hat nach Feuer/Rauch geschmeckt… war interessant wie sehr es den Geschmack annimmt. Die frische Kuhmilch ist Eva nicht sehr gut bekommen und hat ihr eine paar extra Minuten auf dem stillen Örtchen beschert.
Später haben wir dann noch sehr lecki Essen serviert bekommen. James meinte, wenn Gäste kommen wäre es sehr unhöflich nichts zu Essen zu servieren und man wäre ein schlechter Gastgeber.
Als wir uns auf den Rückweg machten, kamen wir an einer Schule vorbei. Die Kinder dachten wohl sie sehen Geister (der Gesichtsausdruck sagte einiges), die Aufregung war auf jeden Fall sehr gross. James meinte für die meisten Kids sei es das erste Mal, dass sie Weisse sehen und auch nicht wirklich verstehen wieso wir anders aussehen.
Als wir an der Matatustation waren, sagte man uns, dass keine mehr fahren würden. Während wir da standen und überlegten was tun, versammelten sich mehr und mehr Schulkinder um uns herum (Schule war aus) und fanden es zu interessant um an uns vorbeizugehen.
Irgendwann haben wir uns dann entschieden uns mit einem Motorrad and den Highway fahren zu lassen wo wir sicher ein Matatu nach Nakuru kriegen würden.
Ich bin ja schon abenteuerlustig, aber ein bisschen schiss hatte ich schon, weil ich ja wusste wie die Strassenverhältnisse sind. Der Fahrer trug Helm, Beifahrer nicht… nicht gerade beruhigender und verstanden hat er mich auch nicht. Ich habe mich entschieden mich einfach an ihm festzuklammern, durch das Geholpere wurde ich sowieso immer nach vorne gedrückt. Er fuhr sehr gut und irgendwann konnte ich mich etwas auf die Aussicht konzentrieren. Die Aussicht war fantastisch… leider hatte ich keine Hände frei für Fotos.
Ansonsten habe ich nicht sehr viele News. Mir geht es sehr gut und ich fühle mich grundsätzlich wohl, auch wenn es nicht immer einfach ist.
Miss u all…
