Donnerstag, 22. Januar 2009

Die Stimmung schwankt…

Am Sonntagmorgen war ich am Tiefpunkt angelangt. Wir hatten keine Ahnung was wir so den ganzen Tag machen sollten. Man hat uns gesagt, dass am Sonntag nicht so viele Leute in der Stadt seien und es deshalb nicht sicher sei. Irgendwie ist es ja schön, dass uns alle beschützen wollen, aber dies schränkt das Sein enorm ein.
Irgendwann habe ich dann Father George gesehen (er ist sozusagen der Chef hier) und ihn gefragt wie sicher es sei in die Stadt zu fahren. Er meinte dann zum Glück, dass dies kein Problem sei. Eva und ich waren etwas unsicher mit dem Matatu in die Stadt zu fahren, da wir bis jetzt immer in Begleitung von Locals waren. Irgendwann haben wir gesagt „scheiss drauf, wir Versuchens jetzt einfach mal,“ was sich dann als absolut problemlos herausgestellt hat. Sie haben auch keine Sekunde versucht von uns mehr Geld zu verlangen (wovor man uns auch immer wieder gewarnt hat). Eine Matatufahrt kostet 20Schilling (= 30 Rp.).
In der Stadt angekommen waren wir dann ziemlich stolz auf uns und die Stimmung war erstmals etwas besser. Welches sich leider auch schnell wieder änderte… es hatte wahnsinnig viele Leute in der Stadt, was wir gar nicht erwarteten (da wir ja ständig das Gegenteil gehört haben). Wir wurden pausenlos angestarrt und so war es mit dem Wohlfühlen schnell wieder vorbei. Wenigstens waren wir etwas draussen, sonst wären wir wohl depressiv geworden.

Am Montagmorgen ging es dann los mit arbeiten oder so ähnlich… Am Montag ist immer ziemlich viel zu tun, da die Clinic am Sonntag zu hat. Also haben sich schnell viele Leute draussen versammelt. Zuerst müssen sie sich an der Rezeption anmelden, damit die Krankengeschichte herausgesucht werden kann. Der ganze Raum ist voll mit Schachteln. Angeschrieben mit Zahlen von 2007-2009, welche voll gestopft sind mit Krankengeschichten (das sie da den Überblick behalten ist bewundernswert). Danach warten sie bis sie zum Arzt können (welcher eigentlich gar kein Arzt ist, aber ein Krankenpfleger mit viel Erfahrung und die machen einfach alles). Meistens müssen sie einen Bluttest machen lassen… also verlassen sie den Untersuchungsraum, bezahlen an der Rezeption schon die Laboruntersuchung (ansonsten wird keine gemacht) um nach dem Test wieder darauf zu warten zum Arzt zu gehen. Wenn dieser seine Diagnose gestellt und Medis verordnet hat, gehen sie wieder an die Rezeption und bezahlen im Voraus die Medikamente und kommen dann zum Treatmentroom (wo ich bin). Sie erhalten die erste Dosis Tabletten oder was so verordnet wurde. Häufig sind auch Injektionen i.m (in den Muskel für alle die nicht vom Fach sind) oder kleine Verbände angesagt.
Sehr viele Patienten sind nicht über 2-3 Jahre alt, was mich ja am Anfang masslos überfordert hat. Die schreien dann so vor sich hin, was ich ja von den Erwachsenen nicht gerade gewohnt bin.
Da stand ich also am Montag in diesem Treatmentroom und hatte überhaupt keine Ahnung was ich jetzt machen sollte, da auch niemand das Bedürfnis hatte viel zu erklären. Da kamen auch schon die ersten Verordnungen hereingeflattert. Ich wollte mich nützlich machen und habe mir das Blatt geschnappt und wollte die Medis zusammenstellen. Ich bemerkte aber sehr schnell, dass alles was auf diesem Blatt stand genauso gut Chinesisch hätte sein können. Erstens mal hatte der „Arzt“ eine Schrift die ich unmöglich entziffern konnte (alle die mit mir gearbeitet haben wissen, dass ich normalerweise fast jede Arztklaue entziffern kann (Sorry an alle Ärzte die den Blog lesen)) und Zweitens hatte ich keine Ahnung was dies für Medis waren, was die Sache nicht gerade einfacher machte. Irgendwann dachte ich nur noch wie blöd bin ich denn sei… ich hatte das Gefühl mich wie ein blutiger Anfänger anzustellen, was ich wohl auch tat. Das fällt einem kleinen Perfektionisten wie ich es bin nicht gerade leicht zu akzeptieren. Wie immer hatte ich das Gefühl ich sollte eigentlich schon alles können. So endete der Tag ziemlich frustriert und mit einem starken „nach Hause gehen“ Wunsch.
Ich habe mir am Nachmittag die gängigsten Medis herausgeschrieben und die dann in meinem Kämmerlein mit Hilfe ihres Arzneimittelkompendiums versucht einzuprägen. Das komische ist auch, dass der Arzt häufig das Medi anders aufschreibt als die eigentliche Beschriftung der Packung ist.

Am Dienstag war der Arzt nicht da und wurde durch eine Nurse ersetzt, was die Sache mit dem Lesen etwas leichter machte. Was mir immer noch sehr schwer viel ist die armen Babys und Kleinkinder mit Medis (Sirups) regelrecht abzufüllen (es ist Wahnsinn, was die alles verordnen). Es tat mir wahnsinnig leid, vor allem wenn sie schrieen wie am Spiess. Manche haben schon angefangen zu weinen wenn sie mich nur angesehen haben. Ja, Muzungus are scary…
Irgendwann habe ich auch begriffen, dass ob, bo, to, qto = 1x, 2x, 3x, und 4x täglich bedeutet und dass 1x4 nicht 1xtäglich 4 Tabletten sind, sondern in einem Tag 4 Tabletten, so was von unlogisch, da sie dann doch erklären 1 times 4. Ich würde meine Medikamente so total verkehrt einnehmen. Dinge wie dies muss man halt einfach akzeptieren.
Ein junger Mann kam zum Verbandwechsel wegen Verbrennungen am Fuss. Eine Krankenschwester (in Ausbildung), die zwischendurch etwas hilft, hat am Vortag die Erstversorgung gemacht. Der arme Kerl hatte neben offenen Wunden riesige Brandblasen am Fuss. Anstatt die Flüssigkeit nur zu entleeren, hat die ihm die ganze Haut entfernt. Sah nicht gerade schön aus. Ich dachte die ganze Zeit nur „was macht die denn da“??? Am Schluss wurde dann etwas Salbe daraufgeschmiert und fertig. Es wurde kein Verband angelegt… gar nichts. Es ist ziemlich staubig hier. Wenn ich daran denke wie eine solche Wunde in der Schweiz versorgt würde… what a difference! Es ist ja nicht so, dass ich keinen Unterschied erwartet hätte, aber wenn man es dann sieht ist es zum Teil schon ziemlich erschreckend. Hygiene wird ziemlich klein geschrieben und steril gibt es eigentlich nicht.
Der junge Typ kam jeden Tag zum „Verbandwechsel“ oder besser gesagt zur Reinigung der Wunde. Am ersten Tag kam er gehend mit einem Stock, heute (Donnerstag) wurde er herein getragen. Der muss höllische Schmerzen haben.
Am Nachmittag (Dienstag) wollte ich was anderes sehen und habe mich an der Rezeption versucht. Leider habe ich aber schnell bemerkt, dass mir die afrikanischen Namen nicht wahnsinnig geläufig sind und somit nichts verstanden habe. Die Sprache ist im Allgemeinen ein Problem, aber Swahili ist blöderweise nicht gerade einfach zu lernen.
Am Abend sind wir noch in die Stadt gefahren um etwas Food einzukaufen. Es ist unglaublich wie viele Menschen sich an einem Platz bewegen können. An das Anstarren gewöhnen wir uns wohl nicht so schnell…

Heute (Donnerstag) kam eine der Mitarbeitenden nicht zur Arbeit, weil ihr Baby krank war. Plötzlich waren Eva und ich allein im Treatmentroom. Ich war schon ziemlich froh, dass ich mittlerweile die Verordnungen lesen kann und die Medikamente kenne. Es wiederholt sich immer alles wieder und irgendwie scheinen die Leute so ziemlich alle dasselbe zu haben.
Heute war der „Spritzen“ Tag. Ich habe unzählige Pos gesehen, da alles in den Po gespritzt wird. Ist sehr einfach, aber irgendwie ungewohnt. Das ganze wird mit Nadeln gemacht vor denen ich nur eins würde…. davonrennen!!! Die sind riiiiiesig, autsch.
Heute aber, war der erste Tag an dem ich das Gefühl hatte nicht völlig nutzlos zu sein und die Zeit verging wie im Fluge.


Meine Stimmung ist also im Allgemeinen wieder steigend…

In einer Zeit wie dieser, wird einem sehr bewusst wie sehr man seine Liebsten zu Hause vermisst und wie wertvoll sie sind.
Merci viumau für au di liebe Kommentär… es zeigt mr, dass dir a mi dänket u das isch es tolls Gfüeu!!!!

8 Kommentare:

  1. Erster! Und unheimlich stolz auf meine african nurse!!! Die Blogs sind super...zergehen einem auf der Linse...! Der Inhalt stellt einem jedoch die Haare auf! What to hell are they doing with the patients?!? Uns Muzungus würden sie wohl in Holzkisten reintragen oder gleich im Hinterhof verbrennen! Ich stauen, wie anpassungsfähig du bist! Und hey, angestarrt wirst du auch hier...du bist einfach wunderschön! Als Kenyaner würde ich glotzen, bis sich die Augenhöhlen entzünden. Ich weiss, ein wenig Salbe (4x pro Tag) und die Sache wäre ausgeglotzt...hihi! Vermisse dich unendlich und noch tausenmal mehr!

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  2. hi isa! Du machsch das tiptop! staun! ha ä kolleg us rwanda wo sött ä hüft-tp ha, är isch ersch 26gi u louft miteme stock vor luter arthrose! hättsch du irgendwie beziehige zu spitäler oder ärzt, wo das würde mache? wär u cool, wed öpis chönntsch usefinge. liebs grüessli u big hug! lyde

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  3. hoi isa! Säge nie me dass frau au ä RS sötte mache... Du packsch es. By üs isch es immer dr blau chnopf ir dusche gsy wo nis het motiviert (mir hei ne nid au tag gseh). ig wette du fingsch au öppis und sigs nume e sprütze. im schämppis geits guet mir dreie ne au tag mit ere gedänkminute a dy und man in helvetica.

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  4. Hey Muus! Du bist echt die Grösste! Ich fasse es nicht wie du arbeiten musst! Noch mehr staune ich wie du das Ganze managst!! Du bist echt ein toughes Girl! Da wird einem mal wieder vor Augen geführt, dass es nicht für jeden Mist CTs und MRIs und all den Hightechscheiss braucht wie hierzulande. Denke, dass dort die Kosten weniger explodieren, leider aber wohl auch mehr Leute sterben. Z.B der arme Kerl mit der Verbrennung! Ein Wunder, dass er noch keine Sepsis hat!
    Musste fast weinen, als ich den Komentar von Man in Helvetica gelesen habe, what emotions!!
    Liebi Isa du bist einfach spitze, denke fest an dich, mach weiter so!
    Habe im Moment 2 Grippe erkrankte Kinder zu hause, es nimmt schon langsam epidemische Dimensionen an in der Schweiz. Glücklicherweise werden diese Käfer ja nicht via Internet übertragen...
    Also Muus take care, love and miss you!

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  5. hi Isa
    welcome to the Kenyan health system i was just laughing all the time i was reading this post the way you describe the situations makes me miss home (BTW i worked in Uzima health center its in ruaraka north of Nairobi )but thats how it works there after 2 weeks you will know all the drugs used because mostly the problems are the same and they prescribe same drugs for all with similar problems. Oh and about the swiss politeness 'merci' 'Bitte'bla bla those are rare words in kenya dont expect you may be lucky to get some 'asante'
    otherwise wish you well
    tschüsss

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  6. Hoi Isa

    Das was du da erzählst ist ja sehr spannend. Ich weiss, der Anfang ist ziemlich hart, aber lass dir Zeit, irgendwann findest du dich zurecht und wird dir hoffentlich gefallen.
    Ja, die Unterschiede sind riesig in Sachen Wundversorgung oder Krankheiten behandeln, aber man muss es ganz einfach akzeptieren. Ich dachte immer, vor ca 100 Jahren hätte es bei uns whs ganz ähnlich ausgesehen. Somit ist es auch eine Art Zeitreise.
    Ich wünsche dir jedenfalls viel Durchaltewille und Anpassungsfähigkeit.
    Gruess Edith

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  7. Huhu Isi

    Ich habs jetzt endlich geschafft, mein Google Konto zu aktivieren (bi haut nid so güebt im Umgang mit Compis :-) und gehöre nun auch endlich zu den regelmässigen und aktiven Lesern deines Blogs.
    Take care und lass dich nicht unterkriegen!
    Päci

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  8. MiH ist froh, dass es Muzungu Isabelle aka white nurse besser geht. Und MiH vermisst sein Muzungu extrem! Ist auf die vielen Mücken auch ein klein wenig neidisch...da ihm körperliche Nähe verunmöglicht wird...grummel...wie gerne wäre ich jetzt eine kleine Stechmücke. Freue mich, dass dir deine Tage auch positive Erlebnisse bringen! Als registrierter Skyper werden wir uns öfter hören...! Love you

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